Die fiese Schlange

6.04.2022

So hatten sie mich genannt an diesen spirituellen Seminaren. Vor allen anderen. Ich hätte in den Erdboden versinken wollen. Ich?! Eine fiese Schlange?!

Ja klar, ich war nicht immer ein Engelchen und konnte auch einmal gemein sein. Doch wirklich böse, habe ich das ja nie gemeint. Oft war ich mit der Situation überfordert und wusste keine bessere Art und Weise darauf zu reagieren.

Doch fies, hinterlistig und manipulativ? Das war ein harter Brocken. Ich schämte mich. Ich fühlte mich unendlich schuldig. Ich hatte sowieso ständig das Gefühl, ich könnte es da niemandem recht machen. Obwohl ich oft mehr als einen Coach an meiner Seite hatte, fühlte ich mich alleine gelassen.

Ich verstand nicht, wieso sie so reagierten, wie sie reagierten. Wieso sie Dinge zu mir und anderen sagten, die sie eben sagten. Ich möchte hier gar nicht ins Detail gehen. Doch nur nett und getränkt in Licht und Liebe war es nie und nimmer.

 

Sie sagten immer, es sei zu meinem Wohl. Ein guter Coach ist ein strenger Coach. Ja klar, dem stimme ich zu. Ein guter Coach ist klar und wahr. Er trägt die Liebe auf der Zunge und spricht auch mal Tacheles mit seinen Coachees. Doch dort konnte ich die Liebe dahinter nicht fühlen.

Mir wurde gesagt, ich sei halt noch nicht soweit. Es fühlte sich an, als ob sich alle gegen mich verschworen hätten. Man musste immer aufpassen, was man sagte, wie man reagierte, wie man handelte oder eben nicht handelte und besser schwieg.

Es war eine Energie der subtilen Kontrolle. Echt krass, was da alles abging. Doch das Schlimmste daran war eben, dass ich immer alles auf meine Kappe nahm. Ich lud mir alles auf meine Schultern. Mir wäre zu der Zeit niemals in den Sinn gekommen, die Vorbilder zu hinterfragen.

Gegen Aussen war alles so leuchtend, so schön, so wundervoll. Ich durfte Momente der tiefen Ehrfurcht erleben und Gott selbst begegnen. Die transzendenten Reisen zu meiner Seele und zurück möchte ich niemals missen. Es durften auch unzählig viele schöne Dinge geschehen.

Doch eben, das Ganze drumherum war leider weit weg von Licht und Liebe. Ein Guru, der sagte, dass er kein Guru sein will, aber der grösste Guru war, dem ich je begegnete. Rangordnungen und Hierarchien, wie ich sie zu meinen besten Zeiten in der Wirtschaft niemals gesehen hatte.

Es herrschte eine subtile Unterdrückung in allen Bereichen und wehe, man durchschaute das Spiel. Wehe, man hätte über den Guru hinauswachsen können im Bewusstsein. Nene, immer alle Schäfchen schön klein halten.

Wie einfach war es, über alle und jeden zu lästern. Unter dem Deckmantel „wir bewerten das ja nicht“ und „alles ist Liebe“ wurden Übergriffe getätigt, die ich erst viel später als solche erkennen konnte.

So wurde ich ungefragt hypnotisiert und das krasse daran war, dass ich das zu dem Zeitpunkt noch toll fand. Es war für mich ein Zeichen des Vertrauens in diese Vorbilder. Sie konnten mich „knacken“, ich, die immer und überall die Kontrolle behalten wollte.

So habe ich Mobbing der fiesesten Art am eigenen Leib erfahren. Ich fühlte mich wie die grösste Versagerin. Unfähig eine liebevolle Beziehung zu führen. Unfähig mir selbst gegenüber in der Liebe zu sein. Unfähig mein eigenes Business zum Fliegen zu bringen. Unfähig Vorbild für meine Liebsten zu sein.

Im Grunde hatte mich all diese Zeit in diesen Seminaren weit weg von mir selbst gebracht. Ich hatte Dinge getan, die mir heute von Herzen leid tun. Ich durfte der fiesen Schlange begegnen, die auch ich selbst in meinem Leben war. Ich durfte mir und anderen vergeben.

Es geht jetzt nicht darum, irgendjemanden anzuschwärzen. Ich weiss, dass ich als Seele diesen Weg gewählt hatte und übernehme die volle Verantwortung dafür.

Ich bin dem Weg der Oneness unendlich dankbar. Endlich heilen alte Wunden auf tiefster Ebene. Danke es ist.

Love & Light
Deborah